Dies ist das Archiv - Monat: Januar 2016

Viel Spaß beim Stöbern!

Jan01
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Great Walk 2/9 — Die Glückspilze vom Heaphy Track

Wie beendet man wohl am Besten das Jahr 2015 — ganz klar, für uns, mit einer Wanderung. Und nicht irgendeine. Der zweite Great Walk auf unserer Reise stand an — der Heaphy Track. Dieser ist die längste der Wanderungen mit 78,6km Strecke, gelegen an der Nordwestküste der Südinsel. Wir wollten die Wanderung in 4 Tagen machen und hatten dafür schon vor einiger Zeit die Hütten gebucht.

Los ging es allerdings nicht zu Fuß, sondern mit dem Bus, denn um zum Start zu kommen, bietet sich eine Busfahrt von Nelson aus an. Dieser fährt dann 3,5h bis zur Brown Hut, dem Start des Tracks. Am Ende der Route wird man dann vom Bus wieder aufgegabelt und wieder bis nach Nelson gebracht.

Und genau da ging die Wanderung zuerst negativ für uns los, denn beim Buchen des Busses haben wir bemerkt, dass dieser spätestens um 13:30 Uhr abfährt, wir aber aufgrund der ziemlich ausgebuchten Hütten für die letzte Nacht eine andere Hütte als geplant buchen mussten. Diese lag vom Ende des Tracks aber nun 24km, mit einer geschätzten Dauer von 7,5 Stunden, entfernt. Und wer in Mathe aufgepasst hat, merkt schnell, dass dies zur Folge hatte, dass wir sehr früh am letzten Tag aufbrechen mussten, um rechtzeitig dort anzukommen. Aber dazu später mehr.

Natur pur
Natur pur
Endlich an der Hütte angekommen
Endlich an der Hütte angekommen

Aber wieder zurück auf Anfang. Der erste Tag der Route führte uns dann etwa 5 Stunden stetig, aber gemächlich, bergauf bis zur Perry Saddle Hut. Die Wanderung war auch echt angenehm und man geht dabei vorwiegend durch den „Regenwald“ Neuseelands. Überall wuchsen Farne und Moos, Luftwurzeln und schöne große Bäume. Herrlich. Als wir kochen wollten, kam dann allerdings erstmal noch eine Hiobsbotschaft. Deppen wie wir sind, hat keiner von uns daran gedacht, Besteck einzupacken. Dabei waren wir schon so routiniert und wussten genau, wie viel wir wovon brauchten, und am Ende scheitert es an zwei Löffeln! Verdammt! Naja wenigstens haben wir dann noch eine Gabel geschenkt bekommen, das machte das ganze etwas leichter.

Achtung Schnecken!
Achtung Schnecken!

Der zweite Tag der Wanderung sollte für uns dann eher kurz werden, da wir die Hütten ja etwas anders als „empfohlen“ gebucht hatten (weil teilweise ausgebucht). So hatten wir lediglich 3,5h Wanderung bis zur Saxon Hut vor uns. Die Aussicht dort war dann hingegen schon wieder ganz anders als am Vortag, denn die Strecke führt durch recht trockene Ebenen mit Grasbüscheln, Buschwerk und vereinzelten Bäumen. Bei perfektem Sonnenschein wirkte das ganze zeitweise so, als läuft man irgendwo durch Afrika und wartet nur darauf, dass Giraffen und Zebras auftauchen.

Was uns dort allerdings begegnete, war viel besser als jedes Tier Afrikas! Denn es war vergleichbar mit einem 6er im Lotto. Nur etwa 500 Meter vor der Gouland Downs Hut stand plötzlich am Wegesrand ein kleines Tier, rundlich, braun, mit Federn und einem langen dünnen Schnabel — ein Kiwi! Und sogar noch besser: ein Kiwi-Baby, nur etwa 15cm lang!

Unbeschreibliches Glück! So ein seltener Anblick!
Unbeschreibliches Glück! So ein seltener Anblick!

Ja, ihr habt richtig gelesen! Gut, einige von euch zucken jetzt sicher mit den Schultern und fragen sich, was daran so besonders ist. Soll ja schließlich das Nationaltier des Landes sein, also wird es da bestimmt auch überall rumlaufen. Aber genau das ist ja leider nicht mehr der Fall, da die Populationen durch eingeschleppte Raubtiere stark zurückgegangen sind und das Land alles daran setzt, den Kiwi zu schützen, in Reservaten auf abgelegenen Inseln anzusiedeln oder Fallen für andere Tiere aufzustellen.

Ise überglücklich!
Ise überglücklich!
Bitte lächeln!
Bitte lächeln!
Und schnell wieder ins Gebüsch
Und schnell wieder ins Gebüsch

Jedenfalls ist der Vogel hier mittlerweile so selten, dass man ihn fast nie antrifft. Noch dazu sind Kiwis sehr scheu und nachtaktiv. Doch wir hatten wirklich großes Glück und sahen sogar morgens gegen 9:30 Uhr, also mitten am Tage, auch noch ein Baby davon, direkt am Wegesrand, welches nur darauf wartete, fotografiert zu werden. Danach stolperte es sogar noch runter bis auf den Weg, lief ein wenig umher und versteckte sich letztendlich in einem Loch unter einer Baumwurzel. Jedoch nicht, bevor es mit uns jeweils für ein Foto posiert hatte. Wahnsinn!

Jeden, dem wir seitdem davon erzählt haben und die Bilder gezeigt haben, haben wir so ziemlich neidisch gemacht. Denn die meisten Neuseeländer sehen in ihrem ganzen Leben keinen einzigen Kiwi in freier Wildbahn. Ein anderes Pärchen meinte sogar, sie sind schon bis nach Stewart Island, einer großen Insel südlich von Neuseeland, gefahren, um dort Kiwis zu sehen. Sie haben sogar extra Wanderungen gemacht und sind früh aufgestanden und lange wach geblieben, jedoch ohne Erfolg.

Obwohl die erste Reaktion bei den meisten Leuten war: „Seid ihr sicher, dass es ein Kiwi war?“, denn viel wahrscheinlicher ist es, einen der unzähligen Wekas, einem anderen einheimischen Vogel, zu sehen. Aber nein, es war wirklich ein Kiwi! Da hatten wir wohl echt unbeschreibliches Glück! Und ja, ihr dürft uns nun gern alle euren Neid bekunden… :P ;)

Kleine sportliche Einlage
Kleine sportliche Einlage
Landschaft genießen
Landschaft genießen
Es grünt so grün...
Es grünt so grün…

Besonders auch die Reefer Familie, die mit uns zusammen auf der Saxon Hut übernachtet hat, hat uns ziemlich beneidet. Diese sind mit insgesamt 15 Leuten, also jeweils drei Schwestern mit Ehemännern und den Kindern, zusammen auf die Wanderung gegangen, um wenigstens einmal im Jahr zusammen zu kommen und ein paar Tage miteinander ohne den üblichen Stress und ohne Handy und Co. zu verbringen. Denn Handyempfang hat man so ziemlich auf der gesamten Strecke absolut gar keinen. Man kann sich also am Nachmittag oder Abend einfach zurück legen und ein Buch lesen oder sich einfach nur sonnen und die Atmosphäre einsaugen.

Das Löffelproblem konnten wir dann auch lösen, denn da wir zeitig an der Saxon Hut war, konnte ich mir „einfach“ mit dem Taschenmesser und einem Stück Holz einen neuen Löffel schnitzen. Perfekt :)

Ankunft an der Saxon Hut
Ankunft an der Saxon Hut
Löffelproblem gelöst
Löffelproblem gelöst

Der dritte Tag ging dann wieder durch wundervolle Natur, Wiesen, Steppen und Wälder bis zur Lewis Hut. Diese Hütte ist schon ziemlich alt, ich glaube sie stand schon in den 70ern. Ziemlicher Kontrast zu einigen anderen nagelneuen Hütten des Tracks, die teilweise erst im November 2014 eröffnet wurden. Aber es gab dennoch Gasherde, Toiletten und Stockbetten mit Matratzen. Mehr braucht man ja eigentlich nicht. Und an den meisten Hütten gibt es sogar einen „Mountain Spa“, also ein mehr oder weniger kleiner Bach, in denen man sich erfrischen und den Schweiß des Tages abspülen kann.

Ausblick am Morgen
Ausblick am Morgen
Und wieder unterwegs...
Und wieder unterwegs…

Den vierten Tag begannen wir, wie oben erwähnt, dann allerdings schon sehr, sehr früh. Denn schon um 4 Uhr klingelte unser Wecker und wir packten so leise wie möglich unsere Sachen und bereiteten unseren Haferbrei zum Frühstück vor. Um 5:20 Uhr ging es dann auch schon los auf die Wanderung, als es draußen gerade mal dämmerte. Und von der Natur her war der letzte Tag noch einmal ganz anders, denn es ging unten am Strand entlang, durch Wälder voller riesiger Palmen und vorbei an wunderschönen Buchten. Und auch vom Wetter her hatten wir wirklich Glück, denn bis zum dritten Tag hatten wir strahlenden Sonnenschein und nur vereinzelte Wolken. Und nur 5 Minuten nachdem wir am dritten Tag die Hütte erreicht hatten, fing es draußen an zu gießen. Und am nächsten Morgen hatte es schon aufgehört, sodass wir trockenen Fußes wandern konnten. Im Verlauf des Tages verzogen sich dann auch noch alle Wolken.

Die Stille des Morgens
Die Stille des Morgens
Eine wackelige Angelegenheit
Eine wackelige Angelegenheit
Dieses mal durch den Palmenwald
Dieses mal durch den Palmenwald
Und wieder alles so grün
Und wieder alles so grün

Und obwohl unsere Füße nach der langen Wanderung ziemlich schmerzten und ein paar Blasen hatten, kamen wir noch locker innerhalb der Zeit, auch mit etlichen Pausen, am Ziel des Tracks an, wo dann auch der Bus kurze Zeit später ankam, um uns alle zurück nach Nelson zu bringen. Das waren dann übrigens nochmal etwa 7 Stunden Fahrt! Zurückblickend können wir nur sagen: Eine herrliche Wanderung! Ständig wechselnde Aussichten, die Einsamkeit dort im Nationalpark und die wundervolle Natur. Einzigartig. Und schützenswert!

Ankunft am Strand
Ankunft am Strand
Wieder durch Palmen...
Wieder durch Palmen…
... und am Strand entlang
… und am Strand entlang
Und noch mehr Aussicht
Und noch mehr Aussicht
Der Parkranger hat unsere Kamera beneidet (und auch die Kiwi-Fotos) und wollte gleich ein Foto von uns machen...
Der Parkranger hat unsere Kamera beneidet (und auch die Kiwi-Fotos) und wollte gleich ein Foto von uns machen…
Erschöpft wieder im Bus...
Erschöpft wieder im Bus…

Doch das Glück war noch nicht vorbei! Denn als Belohnung für den Track wollten wir uns beide jeweils bei Pizza Hut eine 5$ Pizza gönnen (ja, es gibt hier Pizzen für lumpige 5$, umgerechnet etwa 3 Euro, die dann auch nicht gerade klein sind! In Deutschland undenkbar). Als ich dann gerade unsere 10$ Bestellung aufgeben wollte, bot mir der Verkäufer allerdings an, stattdessen auch die VIER Pizzen zu nehmen, die er da bereits fertig hatte. Eine nicht abgeholte Bestellung bzw. urtümlich gebackene Pizzen. Allerdings noch sehr frisch und warm. Es waren zwar nicht unsere eigentlich gewünschten Sorten, aber kann man zu vier Pizzen (2 Salami und 2 Hawaii) für 10$ (6,33 Euro) eigentlich nein sagen? :D

Glück im Viererpack!
Glück im Viererpack!

So, genug geschrieben… fast. Denn es bleibt noch eines übrig zu sagen: Frohes Neues euch allen! Wir haben hier, ja schon einige Stunden vor euch, das neue Jahr begrüßt und waren zu diesem Zwecke mit unzähligen Leuten in Nelsons Stadtzentrum, um gemeinsam Musik zu hören und gemeinsam ins neue Jahr herunter zu zählen! Anschließend gabs noch ein, wenn auch eher kleines, Feuerwerk. Aber besser als nichts… ;)

Jan01
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Auch mal über den eigenen Schatten springen

Was Lebensmittel angeht, sind wir beide ja ziemlich flexibel. Jedenfalls essen wir sehr gern. ;) Auch sind wir nicht pingelig, aber manche Sachen stehen üblicherweise nicht auf unserem Speiseplan. Aber nachdem wir uns am 26. von meiner Familie verabschiedet hatten und diese in Richtung Fähre nach Picton aufgebrochen sind, ging es für uns ja nach Nelson.

Auf dem Weg dahin kamen wir wieder durch das kleine Örtchen Havelock. Und Havelock ist die „Hauptstadt“ der „Green Lipped Mussels“, einer Muschelart, die man dort auf so ziemlich jede erdenkliche Weise verspeisen kann. Und Ise hatte mir schon auf unserer ersten Fahrt durch den Ort „gedroht“, dass wir beim nächsten mal dort auf alle Fälle Muscheln probieren müssen.

Und dieses mal war es soweit. Gemeinsam ging es in den „Mussel Pot“, ein Restaurant, welches diese kleinen glitschigen Teile anbietet. Wir entschieden uns für einen Teller mit je zwei Muscheln der verschiedensten Zubereitungsarten. Ich war ja eher skeptisch und konnte Ise wenigstens soweit handeln, dass wir auch eine Cola bestellt haben, um zumindest etwas mit Geschmack zu haben, was beim Nachspülen hilft.

Jedenfalls stand kurze Zeit später dann ein Teller mit gedämpften, gebratenen, in Teig frittierten, marinierten und geräucherten Muscheln vor uns. Ise sah ziemlich zuversichtlich aus und fand, dass der Teller ziemlich lecker aussieht. Ich war da noch eher skeptisch.

Ise freut sich schon aufs Essen
Ise freut sich schon aufs Essen
Und das ganze nochmal von näher dran...
Und das ganze nochmal von näher dran…

Nacheinander probierten wir dann beide jeweils immer eine Muschel. Während Ise alle Sorten ganz gut fand, konnte ich nur der geräucherten und der marinierten Muschel etwas abgewöhnen. Die anderen waren mir einfach zu weich und gummiartig, sodass Ise sich dann über eine „zweite Portion“ freuen konnte. Aber wenigstens hab ich alle mal probiert und kann nun wenigstens getrost sagen, dass ich Muscheln nicht in meinen regelmäßigen Speiseplan aufnehmen werde. Da gibt es jedenfalls deutlich leckerere Meeresfrüchte…

Sieht sowas lecker aus? :D
Sieht sowas lecker aus? :D
Kleines "Andenken"
Kleines „Andenken“